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GNTM: So lief das Engel-Shooting in Folge sechs

Das erste Quotenfazit nach drei Wochen Germany’s Next Topmodel fällt mau aus. Die Startfolgen sahen deutlich weniger Attitude-Schaulustige als im Vorjahr. Schlecht für Deutschlands einzige offizielle Influencerinnen-Legebatterie Pro Sieben. Dort hatte man in skurriler Selbstüberschätzung mit „On & Off the Catwalk by Heidi Klum“ eine Art Begleitdoku ins Rennen geschickt, die mit Einblicken in Klums Model-Privatarmee als Quotentrittbrettfahrer wirken sollte. Das misslang gründlicher als das Umstyling von Zoe Saip. Die Ex-Kandidatin kam 2018 als junge Version von Supermodel Abbey Lee in die Modelvilla, wurde dann aber per Zwangsmakeover in einen Dolly-Buster-Klon verwandelt – und kurz darauf aussortiert.

Und auch Heidi Klums TV-Familienzusammenführung mit ihren inzwischen ebenfalls als Models arbeitenden Sprösslingen Leni und Henry Samuel wurde zum Fiasko. Mit nur 590.000 Zuschauern musste sich Pro Sieben am Sonntagabend sogar hinter RTL 2 einordnen. Da erhält selbst die ungefähr 250. Wiederholung der Komödie „Wir sind die Millers“ mehr Zuspruch als das Patchworkformat aus dem Hause Klum. Offenbar brauchen nicht nur Neomodels aus der Baumarkteröffnungsindustrie Heidi Klum. Umgekehrt braucht auch Heidi Klum Models, die sie nicht selbst auf die Welt gebracht hat, um die Quotenbank zu sprengen.

Eines davon ist die achtzehnjährige Vanessa, die den Reigen der Kultaussagen mit einem legendären „Ich freue mich auf das Shooting, weil ich da Face serven kann!“ eröffnet. Da hüpft das Chronistinnenherz bereits, noch bevor Heidi Klum per Vorspann beidseitige Ohrinfarkte herbeigesungen hat. Wer würde nicht euphorisch, wenn er Vanessa dabei beobachten darf, wie sie Faces servt?

Fast allen gefällt die Aufgabe, nur Vanessa nicht

Die Outfits, in denen Gesichter serviert werden, stehen auch fest. Die Kandidatinnen erhalten Engelsflügel in Schwarz oder Weiß und sehen damit aus, als wären sie Victoria’s Angels mit Pink-Allergie. Das gefällt fast allen. Nur Vanessa wirkt, als hätte sie die Aufgabe nicht vollständig begriffen. Ihr Gesichtsausdruck jedenfalls sagt: „Weiße Flügel? Lernen wir jetzt Klavier, oder was?“

Die darauf basierende Hoffnung, heute könne womöglich Igor Levit als Gastjuror fungieren, hält leider nur wenige Sekunden. Dann kündigt Quotenpianistin Heidi Klum an: „Das Shooting steht im Zeichen von Modeikonen, also habe ich mir zwei davon eingeladen!“ Kaum angekündigt, platzen Nadja Auermann und Armin Morbach ins Modelloft. Klasse, denkt man da: Nadja Auermann ist cool – und dann kommt ja gleich auch noch eine zweite Ikone.

Auermann kündigt sogleich an: „Heute geht es um eine Hommage an Peter Lindbergh.“ Das hätte keine der Kandidatinnen erwartet. Vor allem, weil außer der siebenundvierzigjährigen Bianca und der vierundfünfzigjährigen Ursula niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hat, wer Peter Lindbergh war. Wie auch? Vanessa beispielsweise hat nicht mal vollständig mitgeschnitten, wer da gerade vor ihr steht: „Einer davon war ein Fotograf und eine ein Model, und die haben darüber gesprochen, dass ein anderer Fotograf gestorben ist und wir jetzt ein Shooting in seinem Stil machen!“ Und damit ist das Fotokonzept der sechsten Folge dann auch schon auserzählt.

Heidi Klum und Nadja AuermannPro Sieben / Daniel Graf

Morbach macht die Fotos, Auermann und Klum beobachten. Den ersten Jahrhunderttipp von Armin Morbach, der von Klum konsequent „Ahmiiiehn“ genannt wird, erhält Bianca: „Mach es nicht zu glamourös, es geht um deine Personality!“ Hoffentlich soll sie nicht auch noch ein Porträt von sich malen. Da würde Morbach womöglich empfehlen: „Mach es nicht so hübsch, es geht um dein Aussehen!“

Morbach verfügt über ein beachtliches Arsenal bizarrer Füllsätze: „Das hat was von einem Schauspielerporträt!“ Wie bitte? Bianca sieht aus wie ein Schauspieler? Ein unverzeihlicher Diversity-Fauxpas. Leider ist Anne Spiegel nicht in der Nähe. Die könnte alles mit „Bitte noch gendern, ansonsten Freigabe“ korrigieren. Für alle, die sich jetzt fragen: „Hä? In welcher Staffel war denn Anne Spiegel?“ – das war in der 24. Staffel von „Germany’s Next Topkabinett“.

Nanas Shooting läuft ebenfalls gut. Sie kommt adäquat vorbereitet und möchte mit ihren Flügeln „Erschöpfung“ darstellen. Nadja Auermann schwärmt: „Das war eine dramatische Erschöpfung, darum war es schön!“ Kein Vergleich zu den handelsüblichen, langweiligen, hässlichen 08/15-Erschöpfungen, die man sonst so kennt.

Vanessa fällt vor lauter Aufregung erst mal allen Beteiligten um den Hals. Das findet sogar Heidi Klum bizarr. Aber Vanessa hat Glück, Klum ist in Geberinnenlaune: „Das ist mir lieber als wie diese Schlaftabletten.“ Noch lieber ist ihr nur noch korrekte Grammatik.

Stella dagegen ist nicht zufrieden: „Ich möchte mehr von mir zeigen.“ Gesagt, getan: Zum Catwalk-Training am nächsten Tag erscheint sie in einem bauchfreien Top, zu dem meine Mutter meinem sechzehnjährigen Ich gesagt hätte: „Zieh dir sofort was über diesen Nippelfaden!“ Auch Vanessas Training läuft unbefriedigend: „Ich möchte nicht daran denken, was untenrum los ist!“ Was auch immer es ist, wahrscheinlich gibt es Medikamente dagegen.

Die Kandidatinnen Cléo, Julia, Lola und MariePro Sieben / Daniel Graf

Als dann zum Final-Walk auch noch Designer Kilian Kerner auftaucht, herrscht kollektive Lottogewinnerstimmung. Anna ist verblüfft: „Hätte nicht gedacht, dass er schon so früh dabei ist.“ Eine ehrenrührige Unterstellung. Bei meinem letzten Shooting mit Kerner war er beispielsweise pünktlich um 9:00 Uhr da. Seine Anweisung für den Walk-Abend lautet: „Keine Hüften!“ Da strahlt das zweitbekannteste Pro-Sieben-Duo nach Joko und Klaas: Dr. Rick und Dr. Nick. Umgehend planen sie 22 ambulante Primetime-Hüftentfernungen.

Als es losgeht, greift Heidi Klum dann tief in die traditionelle „Hört man sonst nur auf Pornodrehs“-Floskelkiste: „Toll, Julia! Rauf, runter, locker, flockig!“ Kilian Kerner hat eine andere Favoritin: „Nana! Ich liebe sie!“ Lara hingegen nimmt er in Schutz: „Du hattest eines der schwierigsten Kleider heute!“ Und da hat er Recht. Es ist zickig, rechthaberisch und schnippisch.

Trotz einfacheren Kleids läuft Vanessa wie ein frisch geborenes Giraffenbaby, dem Donald Trump Jr. auf Safariausflug in die Beine geschossen hat. Schlechte Drehung, unsicherer Gang, Augen zumeist auf den Boden gerichtet. Andererseits: Immerhin hat sie sich nicht verlaufen. Das fällt auch Armin Morbach auf: „Manche waren grottenschlecht!“ Er nennt keine Namen, aber dass er nicht Vanessa meint, ist unwahrscheinlich.

Deren anschließender Erklärungsversuch klingt bereits latent verzweifelt: „Die müssen ja wissen, dass ich nicht so viel üben konnte wie die anderen, weil ich zur Schule gehe, so bis 18 Uhr!“ Für mich eine skandalöse Wettbewerbsverzerrung. Während die anderen Kandidatinnen, darunter Sozialarbeiterinnen, Flugbegleiterinnen, Kellnerinnen und Krankenpflegerinnen, monatelang auf ihre Catwalk-Auftritte hintrainieren konnten, musste Vanessa Mathehausaufgaben machen.

Gnade vor Recht lassen Klum, Auermann, Morbach und Kerner dennoch nicht walten. Vanessa wird nach Hause geschickt. Ihr folgen Cléo und Ursula. Somit bleibt das Beste an der heutigen Folge die Hoffnung, dass Kilian Kerner zur traditionellen Fashion-Week-Episode noch mal an Klums Seite zurückkehren wird.

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