Bei der Eintracht wird der Ton rauer – Toppmöller nimmt Spieler in die Pflicht

Dino Toppmöller will die Samthandschuhe vor dem Spiel in Bremen beiseite legen. Der erneute Ausfall von Hugo Larsson ärgert ihn, für den Ausbruch von Arthur Theate hat er Verständnis. Der Coach zeigt eine neue Seite – manche sagen: endlich.
Dino Toppmöller ärgert sich beim Spiel in Stuttgart.
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00:32 Min.|Mathias Merget
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Lange dauerte es nicht bei der Pressekonferenz von Eintracht Frankfurt vor dem Spiel in Bremen (Freitag, 20.30 Uhr), bis alle Beobachter am Donnerstag merken konnten: Der Trainer zieht nun andere Saiten auf. Bei einer Nachfrage zum erneut erkrankten Hugo Larsson flüchtete sich der sonst so zurückhaltende Dino Toppmöller nicht in Plattitüden, sondern zeigte seine Verstimmung. “Es ist auch in der Häufigkeit für mich nicht zu akzeptieren. In erster Linie ist der Spieler in der Pflicht, da müssen wir die Gründe rausfinden. In der Häufigkeit ist das nicht normal”, brummte der Trainer. Nachfrage zu Younes Ebnoutalib? “Younes geht es beschissen, wie soll es ihm gehen?!”
Auch beim Thema der verbalen Auseinandersetzung zwischen Arthur Theate und Kaua Santos in Stuttgart beschwichtigte Toppmöller zunächst, dass die Spieler in der Halbzeit einen anderen Umgang gewählt hätten. Doch sein Ton war schon rauer und gereizter als gewohnt. Toppmöller zeigte volles Verständnis für den Ärger von Theate. Später fasste er zusammen: “Wir müssen hier nicht jeden mit Samthandschuhen anpacken, wir sind im Profifußball. Ich muss auch Kritik aushalten. Dann muss es auch ein Spieler aushalten, wenn der Trainer mal laut wird.”
Spieler zeigen sich selbstkritisch
Nicht wenige rund um den Stadtwald würden sagen: Endlich wurde und wird er mal laut. Toppmöller hat alle Widrigkeiten und Kritik bislang relativ klaglos in der Öffentlichkeit ausgehalten, er hat sich dabei immer vor die Mannschaft gestellt. Nach dem Remis gegen Dortmund und der Pleite gegen Stuttgart platzte es dann aus ihm heraus, wie er es selbst formulierte. “Es ist eine gewisse Wut da, weil wir gegen den Zweiten und Dritten gespielt haben und wir mehr Punkte hätten mitnehmen können”, sagte er.
Seinen Schilderungen zufolge zeigten sich auch die Führungsspieler selbstkritisch, weil die Mannschaft nach dem Ausgleich in Stuttgart in sich zerfallen war. Das alles führt zum Schluss, dass nun die Alarmglocken zu schrillen scheinen in Frankfurt und nicht mehr viel schöngefärbt wird. Die Mannschaft verliert die gesamte Saison über schon nach Rückschlägen die Fassung, sie liefert mitunter Zweikampfwerte von um die 30 Prozent, sie stellt eine der schlechtesten Abwehrreihen der Liga.
“Fühle mich nicht unter Druck”
Das Thema Verteidigung sei etwas komplex, führte Toppmöller zum Hauptproblem aus: “Das war (in Stuttgart) mit Ball nach dem Ausgleich sehr wenig. Wir haben ganz schnell die Bälle verloren. In der zweiten Halbzeit hatten wir die Tiefe nullkommanull im Griff.” Oder in den Worten von Sportvorstand Markus Krösche: Sie vergaßen, was schon in der C-Jugend gelehrt wird. Die harten Worte ließen sich als Kritik an den Spielern, vielleicht aber auch am Trainer verstehen. Toppmöller muss trotz aller Verletzungssorgen die Defensive dicht bekommen, sonst wird der Druck über kurz oder lang auch auf ihn zu groß.
Am Donnerstag verwendete er bereits einen Satz, den man sonst nur bei Abstiegskandidaten vernehmen kann: “Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, dass die Leinen losgelassen werden.” Die Eintracht hat das System gewechselt, den Torhüter gewechselt, sie hat nun die Ansprache gewechselt. Was kommt danach? Toppmöller sagte angesprochen auf seine Stellung am Donnerstag: “Ich fühle mich gar nicht unter Druck, ich habe Vertrauen in unsere Qualitäten. Wir können eine offensive Wucht entwickeln und uns für unseren Aufwand belohnen.”
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18:08 Min.|16.01.26|hr
Die komplette Eintracht-PK vor dem Spiel in Bremen
Eintracht-Trainer Dino Toppmöller
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Uzun und Brown wieder fit
Vor dem Spiel in Bremen stehen dafür zumindest einige Zeichen gut. Zwar fehlen Mario Götze und Larsson, aber Nathaniel Brown, Can Uzun und Fares Chaibi kehren zurück. Zu den 19 Mann auf der Reise nach Bremen zählt auch Nachwuchshoffnung Alex Staff. Gegner Werder muss sich gerade mit einem Fauxpas rund um Transferregularien herumschlagen, ist seit sechs Spielen sieglos, seit drei Spielen ohne Tor. So ein angeschlagener Gegner könnte die Lage für Frankfurt einfacher aussehen lassen – oder aber im Falle eines Misserfolges schlichtweg gefährlicher.
So könnte die Eintracht in Bremen spielen.
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Redaktion:
Ron Ulrich
Sendung:
hessenschau.de, So blickt die Eintracht auf das Auswärtsspiel in Bremen,
15.01.26, 19:08 Uhr
Quelle: hessenschau.de



