Skeleton: Flocks Kreis schließt sich als Goldmedaille

Am 17. Februar 2018 hatte Flock im Eiskanal von Pyeongchang nach drei Läufen die Goldene vor Augen und schaut am Ende als Vierte durch die Finger. Am 14. Februar 2026 ließ die 36-Jährige das Trauma endgültig hinter sich. Vor den Augen ihrer Familie fuhr die Tirolerin mit der Konkurrenz im wahrsten Sinn des Wortes Schlitten. Dreimal Bestzeit in vier Versuchen brachten 30 Hundertstelsekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte Susanne Kreher aus Deutschland, deren Teamkollegin Jacqueline Pfeifer hatte am Ende 0,44 Sek. Rückstand auf Flock.
Vor dem dritten Lauf sei sie extrem nervös gewesen, sagte Flock. Nachdem ihr aber mit 57,26 Sek. in der 1.440 m langen Eisbahn erneut eine makellose Fahrt und die exakt gleiche Zeit wie im zweiten Lauf gelungen war, ihre Gegnerinnen aber gleichzeitig „schnitzten“, fiel der Druck schlagartig ab. Mit 21 Hundertstelsekunden Vorsprung ging die Tirolerin in die Entscheidung – um 19 mehr als vor acht Jahren, als sie am Ende vom ersten auf den vierten Platz zurückfiel und die bitterste Stunde ihrer Karriere erlebte.
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Flock war diesmal vom Start bis ins Ziel nur auf das große Ziel fokussiert
Zwar meldete sich vor dem Start zum Finale die Erinnerung an 2018 wieder, doch diesmal wandelte sie die negativen Gedanken in einen positiven Schub um. „Es war die pure Energie, ich war noch mehr motiviert, dieses Gefühl hat mir so einen Schub gegeben“, spielte Flock nach der Siegerehrung noch einmal diesen Moment durch. Anschließend erwischte sie vor allem den unteren Teil wieder nach Maß. Im Ziel hing symbolisch die Goldmedaille abholbereit.
„Extrem stolz und dankbar“
Ihre echte erhielt Flock schließlich aus den Händen des ehemaligen ÖOC-Präsidenten Karl Stoss, der vor acht Jahren noch Trost spenden musste. „Es fühlt sich total verdient an. Ich bin extrem stolz und dankbar, dass wir sie haben“, sagte Flock über ihr neues Schmuckstück. Wie viel Anspannung von der Tirolerin in diesem Moment abgefallen war, zeigte sich bei der Hymne. Als die rot-weiß-rote Flagge über dem Cortina Sliding Centre wehte, kämpfte auch die sonst so nüchtern wirkende Flock mit ihren Emotionen.
Flock zu Gast im Haus Austria
Janine Flock sprach im ORF-Interview im Haus Austria in Cortina über die ersten Momente nach ihrem großen Triumph und den schwierigen Weg dorthin.
Der erste Weg nach der Zeremonie führte zu ihrer Familie, wo etwa Mutter Angela ihre Tochter lange und innig umarmte. „Es war ein Wahnsinn, ich kann gar nicht viel dazu sagen. Es war einfach cool. Man kann es nicht beschreiben, sie hat es sich verdient. Sie hatte so viele Tiefschläge und ist wieder aufgestanden, hat nach vorne geschaut. Ich bin so happy, dass sie es geschafft hat“, hatte die stolze Frau Mama im ORF-Interview ihre Gefühle mit ganz Österreich geteilt.
Viele Kurven zum Happy End
Denn Flocks Reise zum Ziel Olympiagold ähnelte den Kurven einer Bobbahn. Großen Erfolgen wie vier EM-Titel und drei Siegen im Gesamtweltcup folgten bittere Niederlagen, Verletzungen wie ein Bandscheibenvorfall vor zwei Jahren oder ungewöhnliche Turbulenzen. Etwa als sie vor Olympia in Peking 2022 beschloss, dem Männermagazin „Playboy“ Model zu stehen. „Das hat damals gut gepasst und ich wollte es ja“, erinnerte sich Flock an Meinungen, die das Shooting mit ihrem zehnten Platz in China in Verbindung brachten.
GEPA/Mathias Mandl
17. Februar 2018: Flock erlebte im Eiskanal von Pyeongchang ihre bitterste sportliche Stunde
Gemeinsam mit ihrem Team habe sie aber allen Schwierigkeiten getrotzt und sei in dieser Zeit auch als Mensch gewachsen, so Flock. „Unser Verband und unser Team hat sich auch ins Positive verändert. Wir waren so gut besetzt im Betreuerteam wie noch nie“, zollte Österreich erste Olympiasiegerin im Skeleton auch ihrem Umfeld großen Respekt. Davor war nur Martin Rettl 2002 beim olympischen Comeback in Salt Lake City mit dem Kopf voran zu Silber gefahren.
Gemeinsam mit Trainer Michael Grünberger, der im Sommer 2024 zu Flock zurückkehrte, bereitete sich die Tirolerin genau auf den Tag X vor. So kurierte die 36-Jährige eine Gehirnerschütterung im Jänner in Ruhe aus und trat auch nach Rückenproblemen kurz vor Olympia deutlich kürzer, um den Start in Cortina nicht zu gefährden. „Wir haben gesagt, wir haben noch eine Geschichte zum Fertigschreiben“, sagte Grünberger mit Verweis auf jene Horrorstory von 2018: „Das hat sie mit einem Happy End getan, schöner kann es gar nicht sein.“




