Metallsplitter jetzt auch in Ibuprofen entdeckt: Mehrere Rückrufaktionen

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Berlin – Der Hersteller Zentiva ruft eine komplette Charge des Schmerzmittels Ibuflam Lichtenstein mit dem Wirkstoff Ibuprofen zurück. Erst einen Tag zuvor gab es eine weitere Warnung: Der Gewürzhändler Ankerkraut ruft ebenfalls mehrere Produkte zurück. Der Grund auch dort: Metallstücke.
Immer wieder kommt es vor, dass Fremdkörper in Lebensmitteln gefunden werden. Allein in diesem Jahr gab es schon mindestens acht entsprechende Rückrufaktionen. Doch wie kommen die Splitter da rein? Und ist das gefährlich?
Metall in Schmerztabletten
Im neuen Fall wurde in einer 50er-Packung Ibuprofen-Tabletten ein metallischer Fremdkörper entdeckt. Ibuprofen ist eines der meistverkauften Medikamente gegen Kopfschmerzen und Fieber.
Zentiva-Sprecherin Katharina Holtz zu BILD: „Als Vorsichtsmaßnahme haben wir in Abstimmung mit der zuständigen Aufsichtsbehörde eine Charge Ibuflam 600 mg Lichtenstein Filmtabletten von Großhändlern und Apothekern zurückgerufen.“ Betroffen ist die Chargennummer 5R02514. Der Rückruf richte sich aber nicht an Patienten direkt.
Wegen Metallsplittern gibt es eine Rückrufaktion bei einer Charge Ibuflam Lichtenstein
Splitter in Gewürzen
Auch der beliebte Gewürzhersteller Ankerkraut ruft mehrere Produkte zurück. Während der Produktion wurden Metallstücke in Rohware entdeckt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass bereits ausgelieferte Gewürze betroffen sind. Folgende Produkte sollten nicht verzehrt werden:
ProduktHaltbarkeitVerpackungseinheitEAN-nummerGyros-GewürzmischungMindestens haltbar bis 10.02.202980 Gramm im KorkenglasEAN 4260347894083BrathähnchengewürzMindestens haltbar bis 22.01.202975 Gramm im KorkenglasEAN 4260347894120Gänse- und EntenbratengewürzMindestens haltbar bis 22.01.202975 Gramm im KorkenglasEAN 4260347893857Smoking Zeus Trockenmarinade BBQ-RUBMindestens haltbar bis 29.01.2029200 Gramm im StreuerEAN 4260347894700
Diese vier Gewürze ruft Ankerkraut zurück
Wie die Metallsplitter in Lebensmitteln landen
Erst im vergangenen November waren Metallteile in Tütensuppen von Knorr gefunden worden. Auch Metallrückstände in Wurst aus dem Supermarkt gab es schon. Nicht mal Hüttenkäse war vor Metallsplittern sicher. Und auch Bio-Datteln wurden wegen Metall zurückgerufen. Die Gründe können unterschiedlich sein. Beim jüngsten Fall mit den Tabletten hält sich der Pharmakonzern zur Ursache noch bedeckt. Bei den Gewürzen soll es sich um Draht handeln, der u. a. bei der Aufzucht von Pflanzen verwendet wird. „Wir nehmen diesen Fall sehr ernst und möchten offen und direkt kommunizieren, was passiert ist“, so Ankerkraut-Chef Timo Haas zu BILD. In der Industrie können Metallteile auch von Maschinen stammen.
Die Zentrale des Pharmakonzerns Zentiva in Prag (Tschechien)
So gefährlich sind Fremdkörper in Lebensmitteln
Lebensmittel-Expertin Sabrina Göddertz vom Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. zu BILD: „Metallteile in Lebensmitteln können eine ernste Gesundheitsgefahr sein.“
Dr. Daniel Benten, Chefarzt für Gastroenterologie am Asklepios Klinikum Harburg, zu BILD: „Der Magenpförtner stellt bei solch kleinen Partikeln kein Hindernis dar. Allerdings haben längliche und spitze Fremdkörper ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Während Speiseröhre und Magen meist nur oberflächliche und harmlose Schleimhautläsionen davontragen, können solche Teile die dünne Wand des Dünndarms durchbohren.“ Dies könne zu einem Abszess führen.
EXPERTEN IN DIESEM TEXT
Dr. med. Daniel Benten ist am Asklepios Klinikum Harburg Chefarzt für Gastroenterologie und Hepatologie. Er ist also Spezialist für den Magen-Darm-Bereich sowie die Leber. Medizin studierte er in Hannover. Danach arbeitete er u. a. in New York und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Er habilitierte an der Universität Hamburg zum Privat-Dozent.
Sabrina Göddertz ist Referentin im Team Lebensmittel beim Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. Sie hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) studiert und einen Master of Arts in Soziokulturellen Studien.
Der Arzt weiter zu BILD: „Allerdings hat der Dünndarm die hervorragende Funktion, dass über die feine Muskulatur der Schleimhautschicht in der Regel auch spitze Fremdkörper so durch den Verdauungstrakt geleitet werden, dass es nicht zu einer Perforation der Wand kommt.“ Die Fremdkörper werden dann mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Größere Fremdkörper müssten hingegen oft durch einen Eingriff entfernt werden, etwa durch eine Magenspiegelung.




