Eine Legende vor dem ultimativen Finale: Das letzte Spiel des Chicco Höfler!

Ob da noch mehr geht? Natürlich. Chicco Höfler steht im Europa-League-Finale gegen Aston Villa auf dem Platz. Ob Startelf oder eingewechselt, Chicco Höfler schießt das entscheidende Tor zum Triumph des SC Freiburg. Chicco Höfler wird unsterblich.
Träumerei? Vermessene Gedankenspiele? Natürlich.
Nicolas „Chicco“ Höfler käme selbst nicht auf eine solche Idee. Aber der 36-Jährige, der vor 21 Jahren aus Herdwangen im Oberen Linzgau als Bub ins Internat des SC Freiburg zog, hat in den vergangenen zwei Wochen so viel erlebt, dass ihm der Kopf rauschen könnte vor Glücksgefühlen. Eigentlich war es eine Saison zum Vergessen, ab und an eingewechselt, meist zum Zuschauen verdammt auf gepolsterten Sitzen am Spielfeldrand. Spötter hätten sagen können, der Höfler habe zum Ende seiner aktiven Zeit noch eine „Banklehre“ absolviert. Alles schlecht für einen, der beim Sport-Club jahrelang eine große Nummer war – die 27 auf dem Rücken, die eins im defensiven Mittelfeld. Was den SC Freiburg in Istanbul erwartet? Hier geht es zur Story!
Kaum noch Einsatzminuten für Nicolas Höfler unter Trainer Julian Schuster
Als im August 2021 Maximilian Eggestein aus Bremen nach Freiburg kommt, ist Höfler der Mann an dessen Seite in der Schaltzentrale des Spiels. Lange her. Der Eggestein, sechseinhalb Jahre jünger, gibt im Mittelfeld weiter den Duracell-Hasen, der bekanntlich nie stehen bleibt. Für Höfler aber sind die Einsatzzeiten seit dem Amtsantritt von Julian Schuster als SC-Trainer im Sommer 2024 kontinuierlich zurückgegangen, in dieser Runde gar dramatisch. Oldie? Urgestein? Damit kann Höfler nichts anfangen. Er mag ja ein wenig an Geschwindigkeit in den Beinen verloren haben, aber nie sein Gefühl für Ball und Gegner. Und schon gar nicht seinen Ehrgeiz. Die Chancen des SC Freiburg? Eine Einschätzung unseres Sportredakteurs Julian Widmann.
Der Chicco. Sanfter Gesichtsausdruck. Ruhige Worte, immer sachlich, der Typ Mensch, den man als zurückhaltend beschreibt. Da kann man im Leben schon auch mal unter die Räder kommen, gerade im Profifußball. Na ja, nicht in Freiburg. Schuster, selbst Langzeit-SCler und früher Mannschaftskamerad Höflers, hat seinen Job mit dem Auftrag begonnen, er möge einen personellen Umbruch einleiten. Damals war Höfler 34 und hatte kurz zuvor nochmal einen Vertrag unterschrieben. „Ich hätte diesen Weg jetzt noch ein weiteres Jahr beschritten“, sagt er. Es gab, wie der Höfl(er)iche, der Zurückhaltende zugibt, Momente, in denen die Fetzen geflogen sind, weil er nicht immer einer Meinung mit Schuster gewesen sei. „Ich kann schon auch emotional sein“, erklärt Chicco in einem Tonfall, als ob er sich dafür entschuldigen müsse. „Es war eine Herausforderung, mit allem umzugehen“, sagt Höfler. Selten spielen, aber im Training ständig Vollgas geben, ein Vorbild sein. „Ich habe es nicht immer geschafft“, gesteht Höfler, „ich habe dann erkannt, dass der Kampf nicht mehr gekämpft werden kann um einen Platz in der Mannschaft.“ Am Donnerstag ist das Profi-Kapitel abgeschlossen, „weil die Entscheidung kam, dass es so nicht weitergehen wird“.
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Fans halten ein Banner mit der Aufschrift “Danke Chicco“ hoch.
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Fans halten ein Banner mit der Aufschrift “Danke Chicco“ hoch.
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Es ist am Ende wenigstens alles bereitet für den sanften Übergang in eine andere Funktion beim SC Freiburg. „Chicco wird dem Sport-Club erhalten bleiben“, hat der Verein kommuniziert. Wo, wie und was, vielleicht etwas mit der Freiburger Fußballschule? Die notwendige Trainer-B-Lizenz hat Höfler bereits erworben. „Dazu kann ich nichts sagen“, bügelt der weise Mann die Nachfrage ab, „das wird nach dem Europa-League-Finale bekannt gegeben.“ Das sagt Ex-Profi Ali Günes zur Entwicklung beim SC Freiburg!
Das Europa-League-Finale in Istanbul gegen Aston Villa, den Tabellenvierten der englischen Premier League. Es ist das überragende Thema, und was das Unglaublichste und das Schönste zugleich ist für Nicolas „Chicco“ Höfler: Er ist wieder voll dabei, spielt in den Gedanken von Julian Schuster und dessen Trainerkollegen eine Rolle.
Starke Leistungen im Halbfinale gegen Braga
Kurzer Rückblick: Es ist der 7. Mai, als alles endet und neu beginnt. Der Sport-Club hatte das Halbfinal-Hinspiel in der Europa League bei Sporting Braga 1:2 verloren, drei Tage später zieht sich Yuito Suzuki eine schwere Schulterverletzung zu. Ratlosigkeit zunächst: Schuster und seine Assistenztrainer grübeln und finden die Lösung. Der Höfler muss ran, muss ackern, muss Räume schließen für den Gegner, muss für Stabilität sorgen im defensiven Mittelfeld, dort, wo er so lange unverzichtbar gewesen war. „Ich habe einen Tag vorher erfahren, dass ich zum Kandidatenkreis gehöre“, erzählt Höfler, „ich habe das aber nicht zu hoch gehängt, es hatte ja immer geheißen: fehlender Rhythmus, geringe Spielpraxis.“ Dann kommt der Donnerstag, das Rückspiel gegen Braga im Europa Park-Stadion und die Nummer 27 steht in der Startelf. Typisch für ihn bewertet Höfler das nicht mehr Erwartete: „Ich war überrascht und es hat mich sehr gefreut.“ Die Geschichte von Freiburgs Talent Johan Manzambi.
Beim 3:1-Erfolg gegen Braga liefert Nicolas Höfler eine tadellose Partie ab. Was für ein Abend, Chicco kommt ins Schwärmen: „Der Sieg, der Einzug ins Finale, alles was von den Fans kam, vor, während und nach dem Spiel mit dem Platzsturm, das ist jetzt die Nummer eins aller Spiele, in denen ich dabei war. Dafür spielt man Fußball.“
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Nicolas Höfler wurde nach seinem letzten Bundesliga-Spiel am vergangenen Wochenende von Maximilian Eggestein und Christian Günter auf den Schultern getragen.
Foto: Daniel Meyer/Jan Huebner
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Nicolas Höfler wurde nach seinem letzten Bundesliga-Spiel am vergangenen Wochenende von Maximilian Eggestein und Christian Günter auf den Schultern getragen.
Foto: Daniel Meyer/Jan Huebner
Der Rausch ist nicht zu Ende. Am vergangenen Samstag absolviert Höfler beim 4:1 gegen Leipzig sein letztes Bundesligaspiel für den SC. Nach Spielende muss er zu den Fans auf die Südtribüne, „Chicco Höfler“, donnert es von den Rängen. Der Mann aus Herdwangen ist hinter Christian Günter und Andreas Zeyer die Nummer drei in der Rangliste der Spieler mit den meisten Einsätzen für den Sport-Club. Und, ja, er ist Legende: „Chicco Höfler, Chicco Höfler“.
Noch aber gibt es dieses allerletzte, das ultimative, das größte Spiel der Freiburger Fußballgeschichte, das Europa-League-Finale gegen Aston Villa. Hand auf den Oberschenkel, wird man ihn ein letztes Mal im Trikot des SC Freiburg sehen? „Natürlich habe ich nachgedacht, aber wirklich viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht“, sagt Höfler, „erstens bringt mir das nichts und zweitens macht’s mich verrückt.“
Zukunft beim SC Freiburg
Falls es die Bank wird und bis zum Abpfiff auch bleibt? „Dann habe ich, drittens, meinen Weg gefunden, damit umzugehen und schaue, dass ich auch von dort aus meinen Teil beitragen kann zum Erfolg.“ So spricht leise ein Großer.
Unseren Liveticker rund um das Europa-League-Finale gegen Aston Villa gibt es hier




