News UK

Sturm-Flaute beim HSV – Hamann übt deutliche Kritik

Kein Stürmer des HSV hat bislang mehr als ein Tor erzielt. Didi Hamann sieht den Fehler bei der Transferplanung und bei Trainer Merlin Polzin – und prophezeit dem Aufsteiger eine schwierige Rückrunde.

Guter Fußball, mangelnde Effektivität – so fällt das Fazit von Sky-Experte Didi Hamann aus, wenn er die bisherige Saison des Hamburger SV analysiert. „Der HSV hat einen guten Kader-Mix. Aber sie haben vorne keinen, der die Tore macht“, sagt er bei einem Medientermin auf Nachfrage von SPORT1.

Mickrige 17 Tore hat der Hamburger SV in der laufenden Saison erzielt. Nur der FC St. Pauli, bei dem sie am Freitagabend (ab 20:30 Uhr im LIVETICKER) zu Gast sein werden, hat noch weniger Tore (16) geschossen. Die magere Ausbeute der Stürmer Robert Glatzel, Ransford Königsdörffer und Yussuf Poulsen: jeweils nur ein Bundesliga-Tor.

Glatzel war jahrelang der Torgarant des HSV, erzielte in 141 Pflichtspielen stolze 82 Tore. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga sank sein Stellenwert. In der bisherigen Bundesliga-Saison stand er nur einmal in der Startelf – und lieferte sofort ab. Bereits nach 17 Minuten schoss er das Tor gegen den VfB Stuttgart, ehe er in der 34. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste.

Königsdörffer hat Tempo, aber macht kaum Tore

Königsdörffer hingegen genießt das Vertrauen von Trainer Merlin Polzin und stand bislang in 13 von 17 Bundesligaspielen in der Anfangsformation. Der 24-Jährige passt vom Spielertypus ins System von Polzin, weil er viel gegen den Ball arbeitet und ein Konterspieler ist. Problem ist nur: Er versiebt in der Bundesliga reihenweise Chancen.

„Königsdörffer ist ein sehr guter Spieler. Er hat mir schon damals in Dresden gut gefallen“, sagt Hamann: „Aber er hat keinen Abschluss. Er ist noch jung und kann sich verbessern, hat Tempo, kann dribbeln und bewegt sich gut. Er kann für den HSV in den nächsten Jahren ein wichtiger Spieler sein. Aber er wird wahrscheinlich nie der Stürmer sein, der vor dem Tor eiskalt abschließt.“

Dieses Problem würde sich durch die ganze Mannschaft ziehen: „Jean-Luc Dompé macht zu wenig Tore. Rayan Philippe spielt momentan nicht, obwohl er wahrscheinlich noch der abschlussstärkste ist.“

Tatsächlich führt Flügelspieler Philippe gemeinsam mit Mittelfeldspieler Albert Sambi Lokonga (je 4 Tore) die teaminterne Torschützenliste an.

Kritik an Poulsen: „Wenn er spielte, war er kein Torjäger“

Als potenzielle Top-Verstärkung wurde im Sommer Poulsen von RB Leipzig geholt – und direkt zum Kapitän befördert. Verletzungsbedingt konnte dieser bislang nur 202 Minuten in der Bundesliga spielen. Aktuell leidet der 31-Jährige unter einer Sprunggelenkverletzung. Seine Rückkehr ist wohl frühestens Ende Februar zu erwarten.

„Das ist ein Transfer, den ich nie ganz verstanden habe. Er hatte vorher auch in Leipzig nicht mehr viel gespielt. Und wenn er spielte, war er kein Torjäger. Wenn du als Stürmer über 30 Jahre und einen halben Meter langsamer bist, wird es schwierig“, sagt Hamann.

Auch vom Spielertypus würde Poulsen nicht passen. „Wenn ich höre, dass ein Spieler geholt wurde, weil er ein guter Anlaufspieler ist, stellen sich mir die Haare zu Berge“, so Hamann: „In Leipzig hat das funktioniert, weil er Weltklasse-Spieler wie Olmo und Nkunku neben sich hatte. Dort hat er Räume geschaffen und hatte einen Wert für die Mannschaft. Aber die Frage ist, ob er für den HSV der richtige Spieler zum richtigen Zeitpunkt war. Ob es Sinn machte, ihn direkt zum Kapitän zu machen, weiß ich ebenfalls nicht.“

Auch den Winter-Transfer Damion Downs bewertet Hamann skeptisch. Zwar erzielte der 21-Jährige in der vergangenen Saison zehn Tore in der 2. Bundesliga für den 1. FC Köln. Dann allerdings folgte der Wechsel zum englischen Zweitligisten FC Southampton, wo er in 14 Spielen torlos blieb.

„Downs hat mit Sicherheit seine Qualitäten“, meint Hamann: „Aber der kommt jetzt zurück, nachdem er in England war. Man muss abwarten, wie lange er braucht, bis er sich hier heimisch fühlt.“

Glatzel soll Energie aufbewahren – und Tore machen

Daher lautet der Rat von Hamann an Polzin, zukünftig auf Glatzel zu setzen. „Das ist ein Abschluss-Stürmer. So einem Spieler musst du auch die Freiheiten geben, vorne zu bleiben“, sagt Hamann über den 32-Jährigen: „Er soll seine Energie aufbewahren für die Situationen, in denen er das Tor machen kann. Wenn alle Spieler dem Ball hinterherjagen sollen, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn vor dem Tor die Konzentration fehlt.“

Das Problem: Selbst wenn Glatzel in der Rückrunde häufiger zum Einsatz kommen sollte, wurde ihm in der Hinrunde klar signalisiert, nicht der favorisierte Spielertyp von Polzin zu sein.

„Stürmer leben vom Vertrauen des Trainers“, weiß Hamann: „Wenn du weißt, du hast dieses Vertrauen nicht, dann hilft das mit Sicherheit nicht. Er scheint charakterlich ein prima Junge zu sein. Trotzdem ist das mit Sicherheit keine optimale Situation für Glatzel.“

HSV und St. Pauli sind abstiegsgefährdet

Klar ist: Der HSV braucht mehr Effektivität, um nicht noch tiefer in den Abstiegskampf zu geraten.

„Der ganze Aufwand ist umsonst, wenn du keinen Stürmer hast, der das Tor macht. Es kann dich demoralisieren, wenn du als HSV guten Fußball spielst, aber eine Chance nach der anderen verballerst. Das macht dich mürbe“, sagt Hamann.

Und das ist auch der Grund dafür, dass Hamann den HSV weiterhin tief im Abstiegskampf sieht: „Ich glaube, Heidenheim, Augsburg und die beiden Hamburger Vereine werden die letzten vier Plätze unter sich ausmachen.“

Umso wichtiger wird es sein, wer das Stadtderby für sich entscheidet.

Auch Interesse an der NFL? NEU: Die NFL-Highlights im Video bei SPORT1

Related Articles

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Back to top button