Raketenbeschuss: Dubais Image als sicherer Hafen erschüttert

Erst am Montag wurden Videos von Präsident Mohammed bin Sajid in einem Einkaufszentrum Dubais verbreitet. Das hat einen Zweck: Wie etwa das emiratische Medium Gulf News meldete, werde sein Auftritt „weithin als beruhigende Botschaft verstanden, die das Vertrauen in die Sicherheit und Stabilität des Landes demonstriere“. Es ist eine Botschaft, die an die heimische Bevölkerung ebenso wie an die vielen in Dubai lebenden Geschäftstreibenden und Social-Media-Stars gerichtet scheint.
Seit den amerikanisch-israelischen Militärschlägen auf den Iran reagiert Teheran unter anderem mit Angriffen in den Golfstaaten. Die Emirate meldeten bisher Hunderte Angriffe mit Raketen und Drohnen. Der größte Teil wurde abgefangen. Unbeschadet kommt die Stadt aber nicht davon.
Reuters/Raghed Waked
In Dubai wurde ein Luxushotel infolge der iranischen Angriffe beschädigt
Bei iranischen Angriffen wurde am Samstag unter anderem ein Luxushotel auf der künstlich entworfenen Insel Palm Dschumeira, einem Wahrzeichen Dubais, getroffen. Immer wieder sind Explosionen zu hören, Rauch ist zu sehen. Reisende und vor allem auch Influencer, die in der Millionenmetropole leben, schildern ihre Eindrücke.
Influencerin: „Dubai beschützt uns“
Die deutsche Influencerin Fiona Erdmann, die seit neun Jahren in Dubai lebt, berichtete etwa von Alarm mitten in der Nacht. Sie erzählte von „Abwehrmanövern, die so laut waren, dass unsere Türen vibrierten und wir uns alle in der Abstellkammer verbarrikadierten“. In einem Instagram-Clip sagte sie: „Ich weiß auch nicht mehr, wo wir hin sollen.“
Zu einem weiteren Clip schrieb sie: „Dubai beschützt uns.“ Schließlich reiste sie mit ihrer Familie ins benachbarte Oman, um dort auszuharren. Hätte sie keine Kinder, wäre sie in Dubai geblieben, erklärte Erdmann dann.
Vor allem wegen seines geschäftsfreundlichen Umfelds, der fehlenden Einkommensteuer und der Möglichkeit, einen ebenso luxuriösen wie unkomplizierten Lebensstil zu führen, zog Dubai in den vergangenen Jahren eine wachsende Zahl von Influencern, Unternehmern und Millionären an. Rund 90 Prozent der vier Millionen Einwohner und Einwohnerinnen Dubais haben einen ausländischen Pass.
Normalität trotz Angriffen?
Viele von ihnen scheinen in diesen Tagen ein Image von Normalität bewahren zu wollen. „Ich vertraue dem Land hier, zu 100 Prozent“, sagte die Influencerin Kim Gloss. „Wir fühlen uns wirklich sicher, und es ist alles ok.“ Die Regierung schicke Warnungen, Rettungskräfte und Polizei arbeiteten auf Hochtouren. Sie und ihre Familie folgten den Anweisungen, darunter auch, am besten mit Matratze in der Mitte eines Raumes zu schlafen und sich von Fenstern fernzuhalten.
Lob für das Vorgehen der Behörden geht teils Hand in Hand mit Kritik an der Berichterstattung über Dubai: „Die Medien sehen Raketen und schreiben Panik“, so der Geschäftsmann Antonio Lekic in einem Instagram-Posting: „Die Menschen hier sehen, wie Raketen abgefangen werden, und empfinden dabei etwas ganz anderes: einen stillen, fast ungläubigen Stolz auf das Land, das sie zu ihrer Heimat gemacht haben.“
Bei Kritik am Golfstaat drohen hohe Strafen
Das Vertrauen in das Land und die Arbeit seiner Behörden wird auffällig häufig in Postings von in Dubai lebenden Influencern unterstrichen. Welche Rolle die strengen Vorgaben der Regierung für Influencer spielen, ist unklar.
Wer als Influencer in Dubai und anderswo in den VAE tätig sein will, muss dazu nämlich erst eine Lizenz erwerben. Kritische Berichte über den Golfstaat sind de facto untersagt und stehen unter Strafe. Wer „den Ruf, das Ansehen oder die Würde“ der Emirate beschädige, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 117.000 Euro.
Zudem gibt es Berichte über umfassende Überwachung, etwa im Internet und auf privaten Handys und Computern. Entsprechend gefährlich kann es für diejenigen, die Fotos oder Videos der angegriffenen Orte in sozialen Netzwerken teilen, sein. Die Behörden sprechen dabei von „Gerüchten“ und „Informationen von unbekannten Quellen“ und drohen mit strafrechtlicher Verfolgung.
Warning ⚠️
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The Public Prosecution warns against publishing or circulating rumors and information from unknown sources through social media platforms or any other technological means, due to the consequences thereof, including the spread of confusion and harm to the security… pic.twitter.com/eQLozbqOmo
— النيابة العامة (@UAE_PP) 28. Februar 2026
„Gefahr für Dubais Wirtschaftsmodell“
„Die Gefahr für Dubais Wirtschaftsmodell kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, sagte Jim Krane vom Baker Institute der Rice University über die Folgen der iranischen Angriffe. Der physische Schaden möge begrenzt sein, doch der Status als sicherer Hafen für Ausländer und ihre Unternehmen werde zunehmend bezweifelt. „Je länger der Krieg andauert, desto intensiver wird die Suche nach alternativen Standorten sein“, warnte Krane gegenüber Reuters.
Der Aufstieg Dubais zu einem globalen Finanzzentrum war ein jahrzehntelanges Projekt: Der Start der Fluggesellschaft Emirates 1985, die Eröffnung des Hotels Burdsch al-Arab 1999 und Gesetze, die Ausländern Anfang der 2000er Jahre erstmals Immobilienbesitz ermöglichten, waren die Säulen dieses Erfolgs.
Dubais Wirtschaft wird mittlerweile fast vollständig von Wirtschaftszweigen getragen, die nicht direkt mit der Ölbranche zusammenhängen. Handel, Tourismus, Luxusimmobilien und Finanzdienstleistungen traten an die Stelle des Öls, das inzwischen weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.
„Großer Wandel in der Wahrnehmung“
Zählten die Emirate im Jahr 1980 nur etwa eine Million Einwohner, waren es nach Daten der Weltbank 2024 bereits rund elf Millionen. Allein 2025 zog es laut eines Berichts der britischen Beratungsfirma Henley & Partners rund 9.800 Millionäre in das Land – mehr als in jeden anderen Staat der Welt.
Doch die Geografie bleibt eine Schwachstelle. Die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des globalen Rohöls transportiert wird, liegt vor der Haustür. Der Iran, der das Land fortwährend mit Angriffen überzieht, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs. Das hat Folgen: „Die Leute haben Angst vor dem, was passiert. Es ist das erste Mal, dass sie sich in Unterständen verstecken müssen“, sagte Nabil Milali, Portfoliomanager beim Finanzinstitut Edmond de Rothschild Asset Management, zu Reuters.
„Das ist wirklich ein großer Wandel in der Wahrnehmung“, meinte auch William Jackson, Chefökonom für Schwellenländer bei Capital Economics. Die Golfstaaten hätten bisher als sicher vor iranischen Vergeltungsschlägen gegolten. „Ich denke, das hat sich am Wochenende wirklich geändert.“




