Remis im Kampf um Europa: Sechs Tore – Freiburg und Leverkusen liefern sich ein Spektakel

Bayer Leverkusen und der SC Freiburg haben sich ein herausragend anzusehendes Bundesligaspiel geliefert. Am Ende teilten sich die zwei Europa-Anwärter beim 3:3 (2:2) aber die Punkte – für beide womöglich zu wenig.
Vincenzo Grifo erzielte den Führungstreffer für die Gastgeber (34. Minute), Christian Kofane glich gute 120 Sekunden später aus (37.), Yuito Suzuki (43.) und Alejandro Grimaldo (45.+3) sorgten für die Tore drei und vier der Begegnung. In Halbzeit zwei trafen zudem Martin Terrier (52.) und Matthias Ginter (86.). Damit wächst der Leverkusener Rückstand auf Champions-League-Platz vier auf drei Zähler an, Freiburg ist Achter.
Obwohl beide Mannschaften in dieser Saison nicht unbedingt für das große Spektakel stehen, begann die Partie der zwei Europa-Anwärter munter: Die Werkself, bei der erneut Kofane statt des angeschlagenen Patrik Schick in der Sturmspitze startete, hatte durch eben jenen Kofane bereits nach fünf Minuten die erste kleine Kopfballchance. In der Folge tauchten die Gastgeber auf der anderen Seite gleich mehrfach gefährlich vor Janis Blaswich auf: Jan-Niklas Beste konnte erst in der achten Minute am kurzen Pfosten in Bedrängnis eine flache Hereingabe nicht am Bayer-Keeper vorbeispitzeln, dann verpasste Grifo seinerseits nach Ablage von Beste aus ganz kurzer Distanz ebenfalls das 1:0, Blaswich parierte stark (15.).
Kofane schlägt nach Grifos Treffer direkt zurück
Und es blieb richtig schwungvoll. Leverkusen kombinierte sich vor allem über die rechte Seite und den agilen Ernest Poku immer wieder ansehnlich nach vorne, ohne sich die ganz großen Hochkaräter zu erspielen. Und so waren es die Freiburger, die eiskalt zuschlugen: Aus dem eigenen Strafraum kombinierten die Breisgauer sich ins Mittelfeld, der nach Rotsperre zurückgekehrte Johan Manzambi schleppte den Ball ins Angriffsdrittel und bediente den links durchstartenden Christian Günter. Der brachte die Kugel flach vor das Tor, wo Grifo sich zwar selbst ans Standbein schoss, dadurch aber eine für Blaswich unhaltbare Bogenlampe kreierte.
Lange freuen konnte man sich im Breisgau über die Führung indes nicht, denn nur zwei Minuten später fand Terrier nach Angriff über links am Strafraumrand Kofane, der aus zentraler Position mit erstaunlicher Kaltschnäuzigkeit flach und unhaltbar ins linke Eck zum 1:1 traf.
Spektakuläre Schlussphase der ersten Halbzeit
Das Spiel über die Flügel mit anschließenden flachen Hereingaben war an diesem Tag auf beiden Seiten das Mittel der Wahl, denn noch vor der Pause fiel das nächste Tor über diese Art von Spielzug: Die Elf von Julian Schuster kombinierte sich erneut aus der eigenen Abwehr wunderbar heraus, diesmal war es nicht Günter auf links, sondern Philipp Treu auf rechts, der am Ende eine scharfe Flanke knapp über der Grasnarbe vor das Tor beförderte. Suzuki hatte aus vollem Lauf glockenfrei keine Mühe, auf 2:1 zu stellen (43.).
Und es war immer noch nicht Pause: Suzuki hämmerte in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs noch einmal auf das Leverkusener Gehäuse, Blaswich lenkte die Kugel aber noch sehenswert über die Querlatte. Grimaldo machte es auf der anderen Seite zum Freiburger Leidwesen sogar noch besser, hatte aber den Vorteil, dass der Ball ruhte: Der Spanier vollendete einen direkten Freistoß nahe am Strafraum ins linke obere Eck, bei dem sowohl der auf der Linie platzierte Treu, als auch Keeper Noah Atubolu nicht besonders glücklich aussahen (45.+3). Das 2:2 war dann aber wirklich der Schlusspunkt einer fantastischen ersten Halbzeit.
Freiburgs Flügelspiel hebelt Bayer immer wieder aus
Im zweiten Durchgang ging es so rasant weiter, wie der erste geendet hatte: Nach einer Balleroberung kurz vor dem eigenen Sechzehner schaltete Bayer blitzschnell um. Am Ende des Konters bediente Kofane mit einem tollen Steckpass den durchstartenden Terrier und der Franzose schoss flach ins von Atubolu nicht völlig abgedeckte kurze Eck zum 3:2 ein (52.). Kofane hätte beinahe direkt im Anschluss sogar das 4:2 erzielt, aber sein Kopfball direkt und völlig frei vor Atubolu misslang dem 19-Jährigen gründlich, sodass Freiburgs Keeper mit einem Reflex das nächste Gegentor verhindern konnte (53.).
Es folgten etwas ruhigere Minuten, ehe sich Manzambi nach starkem Dribbling zentral 18 Meter vor dem Tor ein Herz fasste und das Leverkusener Tor nur ganz knapp verfehlte (62.). Bayer war mit der Führung im Rücken bemüht, etwas mehr Ruhe und defensive Kontrolle in die Begegnung zu bekommen und verlegte sich noch mehr auf tiefe Abwehrarbeit und das Lauern auf Konter. Das sorgte für eine etwas niedrigere Chancen-Frequenz, Freiburg hatte zwangsläufig nun mehr Ballbesitz, aber auch mehr Mühe, gegen dichter gestaffelte Gäste die nötigen Lücken zu finden. Mit viel Geduld gelang das dann doch noch: Der eingewechselte Derry Scherhant wurde auf dem linken Flügel nicht entscheidend genug gestört, flankte in Richtung des langen Pfostens und dort wuchtete der aufgerückte Ginter gegen den zu passiven Grimaldo die Kugel über die Linie (86.). Es war wieder ein Flügelangriff mit Flanke, der Leverkusens Defensivblock zerlegt hatte.
Die Schlussphase wurde nun genauso spektakulär wie die ganze Partie gewesen war: Ginter erzielte kurz darauf sogar noch das vermeintliche 4:3, stand aber hauchdünn im Abseits, Grimaldo verpasste aus der Distanz seinerseits das Siegtor auch nur ganz knapp. Die Punkteteilung war letztendlich absolut gerecht, die klarenn Gewinner an diesem Nachmittag waren die Zuschauer.
Freiburg gegen Union, Leverkusen gegen Bayern
Freiburg reist am Donnerstag nach Genk und empfängt dann am Sonntagabend Union Berlin (17.30 Uhr). Leverkusen hat erst am Mittwoch den FC Arsenal zu Gast und dann am Samstagnachmittag Bayern München (15.30 Uhr).




