News US

Europa-League-Finale: Fußball-Deutschland ist Freiburger Märchens nicht würdig

Der SC Freiburg ist Everbodys Darling des deutschen Fußballs. Nun steht der Sportclub vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Der verdiente Hype im gesamten Land bleibt aber aus. Das ist unwürdig, findet Autor Dominik Rosing.

Es heißt, in Freiburg sind die Menschen in Deutschland am glücklichsten. Ist es traumhafte Wetter? Liegt es an der idyllischen Natur im Schwarzwald oder gar an den Achterbahnen im Europapark? Oder sorgt etwa der Sportclub für übermäßigen Hormonausschuss im Breisgau?

Derzeit ist es sicherlich der SC Freiburg, der die großen Glücksgefühle entfacht – und diese Euphorie wird vom beschaulichen Südbaden in die pulsierende Millionen-Metropole Istanbul getragen. Am Bosporus wird dieser Tage badisch gesprochen.

ANZEIGE

Erstmals steht Freiburg im Finale eines europäischen Wettbewerbs. Das offizielle Kontingent von 11.000 Tickets war innerhalb von 15 Minuten vergriffen, 62.000 Fans hatten Karten für das Europa-League-Endspiel gegen Aston Villa (Mittwoch, 21.00 Uhr) angefragt. Viele werden auch ohne Ticket in die Stadt auf sieben Hügeln reisen. „Die Leute sind hyped auf dieses Finale”, sagte Keeper Noah Atubolu.

Fußball-Deutschland ist Freiburger Märchen (noch) nicht würdig

Hype ist das Stichwort. Denn abseits vom Badenländle scheint in Fußball-Deutschland keine große Begeisterungswelle für das historische Finale zu herrschen. Verglichen mit dem europäischen Sturmlauf von Eintracht Frankfurt vor vier Jahren geht die Breisgau-Sensation dermaßen unter, dass ich mich frage, ob wir als Fußball-Nation dieses Märchen überhaupt würdig sind.

ANZEIGE

Der sympathische Sportclub aus Südbaden

Verdient hätten sie es aber allemal – aber Freiburg geht in der öffentlichen Wahrnehmung leider etwas unter. Das ist traurig und unverdient.

ANZEIGE Freiburgs Torwart Noah Atubolu (l.) und Lucas Höler nach dem Einzug ins Europa-League-Finale Tom Weller/dpa

Ich kenne keinen Fußballfan, der nicht zumindest kleine Sympathien für den Club aus dem Breisgau empfindet. Titel hat Freiburg noch keine gewonnen, aber Herzen. Und jeder gescheite Fußballfan gönnt den Freiburgern nun diesen Triumph. Wie kann man auch nicht? 

Die große Underdog-Story auf Europas Bühne

Aber vielleicht ist genau das das Problem. Freiburg ist zu sympathisch und entfacht nicht die großen Emotionen, wie es einst der polarisierenden Eintracht gelang, als sie ihre Europa-Tour im La Bombonera de Nervión von Sevilla mit dem Pokal in den Händen krönten.

ANZEIGE

Freiburg ist dabei die viel größere Underdog-Story. Der SC ist einer der wenigen verbliebenen Clubs, der als eingetragener Verein organisiert ist. Mit der Finanzkraft der europäischen Fußballelite kann der beschauliche Verein aus Südbaden nicht mithalten. Finalgegner Aston Villa hat einen Kader, der fast dreimal so viel wert ist wie der des Bundesligisten.

ANZEIGE

Trainer Julian Schuster als Gesicht des Freiburger Weges

Freiburg schafft aber mit einem eigenen Weg eine Spur zum Erfolg. Trainer Julian Schuster symbolisiert diesen. Der 41-Jährige übernahm nach der geliebten Christian-Streich-Ära und führte den Verein nun in die dagewesene Dimensionen. Er selbst ist ein Kind des Schwabenlandes, spielte zehn Jahre für den SC, trug die Kapitänsbinde, ist nun Trainer. Fußballromantik pur.

ANZEIGE Freiburg-Trainer Julian Schuster jubelt über den Einzug ins Europa-League-Finale Tom Weller/dpa

Man müsse den Club wirklich bewundern, würdigte Joachim Löw. „Viele Vereine können sich an Freiburg ein echtes Beispiel nehmen”, sagte der Weltmeister-Trainer. Vor 33 Jahren stieg der Verein mit anfangs beschränkten finanziellen Mitteln erstmals ins deutsche Oberhaus auf, heute ist der SC ein gestandener und etablierter Bundesligist.

Das Bild vom kleinen SC Freiburg ist vermalt

Geblieben ist das Image eines bescheidenen Vereins aus dem sonnengeküssten Breisgau, der sich stets in Understatement versteckte. Man könne aber nicht mehr vom kleinen SC Freiburg sprechen, meinte Atubolu. „Wir stehen in einem Europa-League-Finale”, sagte der 23-Jährige. „Wir spielen seit Jahren immer um die internationalen Plätze.”

ANZEIGE

Daher wächst auch seit Jahren die europäische Relevanz der Freiburger. 2023 und 2024 ging es bis ins Achtelfinale der Europa League. Nun will sich der SCF endgültig unvergesslich machen. 

Es ist ihnen zu gönnen. „Ich habe das Gefühl, jeder in Deutschland ist für uns und wird sich wahrscheinlich das Spiel anschauen”, hofft Atubolu. Und ich hoffe, er hat recht und ganz Fußball-Deutschland blickt heute nach Istanbul.

Related Articles

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Back to top button