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Champions-League-Finale: PSG gegen Arsenal – Artetas Geduld gegen Enriques Spektakel


analyse

Stand: 29.05.2026 • 12:42 Uhr

Mikel Arteta und Luis Enrique verbindet mehr als nur das Champions-League-Finale, sie kennen sich seit fast 30 Jahren. Aber während PSG mit Rotation und Offensivwucht Europas Maßstab geworden ist, setzt Arsenal auf defensive Perfektion. Das Endspiel in Budapest wird auch zum Duell zweier Belastungsmodelle.

Mikel Artetas Karriere als Fußballer begann im Wartestand. Als großes Talent bekannt, debütierte er schon mit 15 Jahren für die zweite Mannschaft des FC Barcelona. Doch für einen Einsatz bei den Profis reichte es in den folgenden vier Jahren nicht.

Arteta ließ sich also 2001 mit nun 19 Jahren zu Paris Saint-Germain ausleihen und brachte seine Karriere so in Fahrt. In gewisser Weise schließt sich am Samstag beim Champions-League-Finale in Budapest (ab 18 Uhr im Live-Ticker) für den Trainer des FC Arsenal ein Kreis. Denn der Trainer des Gegners PSG ist niemand anderes als Luis Enrique, einer der zentralen Mittelfeldspieler, die Arteta in seiner Zeit als Talent in Barcelona den Weg auf die große Bühne versperrten.

Enrique nutzt die ganze Kaderbreite

Er habe Enrique kennengelernt, als er mit 16 in Barcelona mit der ersten Mannschaft trainierte, erinnert sich Arteta. Wie er im Gespräch mit der UEFA erzählt, habe Enrique die jungen Spieler in Barcelona damals “unglaublich unterstützt”. Vielleicht erklärt diese Anekdote über den Spieler auch eine der großen Qualitäten des Trainers Enrique. Eines seiner Geheimnisse für den Erfolg bei PSG ist sein Management des Kaders.

Jüngst feierte er die dritte Meisterschaft in seiner dritten Saison in Paris und setzte dabei auf Rotation. Während Flügelspieler Khvicha Kvaratskhelia die K.o.-Phase der Champions League dominierte, spielte er in der Ligue 1 nicht einmal die Hälfte der möglichen Minuten. Dafür bekamen Eigengewächse wie Senny Mayulu und Ibrahim Mbaye viel Spielzeit – und entwickelten sich zu ernsthaften Alternativen.

Khvicha Kvaratskhelia von PSG gestikuliert im Champions-League-Halbfinalspiel

So sparten sich die Stars die Kräfte, die sie für Enriques atemlosen Fußball brauchen. Der 5:4-Sieg im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern ging auch deshalb in die Champions-League-Geschichte ein, weil Kvaratskhelia, Ousmane Dembélé und Désiré Doué unerbittlich anrennen konnten, ohne dabei müde zu werden.

Defensive gegen Offensive

Spätestens seit dem 5:0 gegen Inter Mailand im letztjährigen Finale gilt PSG als Goldstandard des Klubfußballs.

63 Prozent Ballbesitz in der Champions League belegen die spielerische Dominanz ebenso wie 548 Ballberührungen im gegnerischen Strafraum. Der Finalgegner aus London steht im Vergleich bei 52 Prozent Ballbesitz und 415 Ballberührungen im gegnerischen Strafraum.

Es spielt eben kein anderer Verein so aufregend wie PSG, erst recht nicht Artetas Arsenal. “Sie sind die beste Defensivmannschaft Europas, und das schon seit einigen Jahren”, gibt sich Luis Enrique im Gespräch mit der UEFA trotzdem beeindruckt.

Nach drei Vizemeisterschaften hintereinander gewannen die Gunners in dieser Saison endlich ihre erste Meisterschaft seit 22 Jahren. Ihre gefährlichen Ecken in den vollgestellten Fünfmeterraum sind mittlerweile stilprägend. Die defensive Kompaktheit ist deutlich schwerer nachzuahmen.

Artetas Einfluss von der Bank

Luis Enrique meint: “Sie machen das Beste aus ihren Fähigkeiten und Stärken.” Tatsächlich ist Arsenals Mannschaft längst nicht mit der individuellen Klasse der Pariser gesegnet, aber diesen Malus gleicht die perfekte Organisation des Trainers auch auf dem höchsten Niveau aus.

Laut den Daten der Trainer-Scouting Plattform COACHINSIDE ist Arteta in der Premier League der Trainer, dessen taktischen Eingriffe und Spielerwechsel den größten messbaren Einfluss auf den Spielverlauf hatten. Einer davon: In der gesamten Saison verlor Arsenal nur neun Punkte nach eigener Führung.

Der Preis der Premier League

Trotz dieser Erfolge wurde Arsenal in dieser Saison im Vergleich mit Vincent Kompanys FC Bayern und Enriques Parisern häufig kritisiert. Viele Beobachter empfanden den Stil als zu destruktiv für eine Spitzenmannschaft, zumal Arteta wie Kompany und Enrique als Schüler des Ballbesitzfanatikers Pep Guardiola gilt.

Mikel Arteta arbeitete unter Pep Guardiola (l.) als Co-Trainer, bevor er bei Arsenal übernahm.

Diesen Kritikern gab Arteta vor den Halbfinals in der Champions League eine einfache Antwort: “Um eine derart hohe Qualität zu liefern, muss man in Topform sein”, sagte er und verwies auf den Qualitätsunterschied zwischen der englischen und der französischen Liga. Und es stimmt: Anders als Enrique kann es sich Arteta nicht erlauben, seine besten Spieler in Pflichtspielen regelmäßig zu schonen.

Zwar sei besagtes Halbfinal-Hinspiel zwischen PSG und Bayern das “wahrscheinlich beste Spiel” gewesen, das er je gesehen habe. Aber: “Wenn ich mir die Anzahl der Spielminuten und die Frische dieser Spieler anschaue, dann überrascht mich das nicht.”

Gerade deshalb dürfte Arsenal im Finale geduldig bleiben und auf den Moment hoffen, in dem Paris Saint Germains Tempo erstmals nachlässt. Dass Artetas Mannschaft abwarten kann, erklärt sich von selbst.

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