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Deutschland erlebt gegen Paraguay nächste WM-Debakel

Stand: 30.06.2026 • 01:29 Uhr

2018 und 2022 hatte es das Aus in der Gruppenphase gegeben – und diesmal ging es auch nicht viel weiter. Auch wegen eines VAR-Fehlers verlor das DFB-Team 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Nach 90 und 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden.

Kai Havertz (54. Minute) rettete ein desolates Deutschland noch in die Verlängerung, doch der Stürmer war einer derjenigen, denen im Ausschießen ums Achtelfinale die Nerven versagten.

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“Ich habe nicht viel zu sagen, mir fehlen die Worte. Das war meine zweite WM, zum zweiten Mal haben wir reingeschissen. Alles, was ich sagen kann, ist: Entschuldigung”, sagte Havertz der Sportschau. “Jetzt wieder zu enttäuschen, ist kein schönes Gefühl. Es scheint so, dass wir international nicht mehr erstklassig sind, schließlich kommt es in den Turnieren darauf an. Wir haben keinen schlechten Fußball gespielt, aber uns hat etwas gefehlt, auch heute. Da müssen wir Spieler uns an die eigene Nase fassen.”

Dennoch steht nun auch die Zukunft von Julian Nagelsmann zur Diskussion. “Ich bin auf jeden Fall keiner, der wegläuft, aber klar, ich kenne auch Mechanismen im Fußball”, sagte Nagelsmann im Sportschau-Interview nach dem Spiel in Boston. “Ich habe Vertrag und ich stehe auch zur Verfügung.”

Die Entscheidung liege allerdings nicht bei ihm, sondern bei anderen. Nagelsmanns Vertrag beim DFB läuft noch bis 2028.

Deutschland kommt auch mit Paraguays Aggressivität nicht klar

Zwölf Jahre lang hatte Deutschland auf einen solchen Tag warten müssen. Die Partie gegen Paraguay war das erste K.o.-Spiel bei einer WM seit dem Finalsieg 2014 gegen Argentinien (1:0 n.V.). Doch von einem Feiertag war lange überhaupt keine Spur, stattdessen wurde relativ schnell deutlich, dass es ein Duell wird, das eine hohe Frustrationstoleranz erfordert. Weil Paraguay genau der Gegner war, der dem DFB-Team in der aktuellen Verfassung besonders wehtun kann.

Ähnlich wie Ecuador, gegen das es beim 1:2 zum Abschluss der Gruppenphase einen herben Stimmungsdämpfer gegeben hatte, kommen die Südamerikaner über ihre Leidenschaft und Physis in der Defensive. Doch zu Beginn versuchte es Trainer Gustavo Alfaro mit einem Überraschungseffekt, Paraguay stürmte sofort und hatte ganz schnell eine Großchance. Nach einer Ecke kam Junior Alonso am zweiten Pfosten frei zum Abschluss, Deutschland hatte aber Glück, dass er den Ball nicht voll traf (2.).

Danach wurde es wie erwartet: Paraguay zog sich mit allen Spielern zurück und spielte lediglich lange Bälle, Interesse daran, das Spiel zu gestalten, gab es gar keins. Das musste Deutschland übernehmen und es hatte große Schwierigkeiten damit. Bis 30 Meter vor dem eigenen Tor ließ Paraguay die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann machen, sobald es in die gefährlicheren Räume ging, schmissen sich Andres Cubas, Gustavo Gomez und Co. in Windeseile in jeden Zweikampf.

Enciso profitiert vom DFB-Fehlerfestival

Die deutschen Künstler kamen damit überhaupt nicht klar und konnten sich so nicht mehr als ein paar Halbchancen herausspielen. Und dann fehlte in der Defensive wieder der Zugriff. Die Fehlerkette beim 0:1 fing bei Manuel Neuer an, der den harmlosen, genau auf ihn geschlagenen Eckball nicht fing, sondern in die Mitte boxte. Dann machten es Nathaniel Brown und Aleksandar Pavlovic auf der linken Seite schlecht und im Zentrum ließ Felix Nmecha dem Torschützen Julio Enciso viel zu viel Platz (42.).

Und da war sie wieder, die Angst vor der ganz großen WM-Enttäuschung. Und erst nach dem Rückstand gab es vor der Pause noch ein paar Aktionen, die doch mal Hoffnung darauf machten, dass es diese Enttäuschung nicht geben könnte. Nach einer abgefälschten Hereingabe von Nmecha (45.+2) und einem Schuss aus kurzer Distanz von Joshua Kimmich (45.+3) wurde es mal halbwegs gefährlich.

Undav wie das ganze DFB-Team mit einer Halbzeit zum Vergessen

Das Paradebeispiel für die deutsche Harmlosigkeit war ein Spieler, den sich so viele in der Startelf gewünscht hatten: Deniz Undav. Der Topjoker (drei Tore und zwei Vorlagen bei der WM) bekam von Nagelsmann die Chance und seine Ausbeute nach der ersten Halbzeit war mehr als nur ausbaufähig. Undav kam auf acht Ballkontakte, hatte eine Passquote von 25 Prozent und gewann 14 Prozent seiner Zweikämpfe. Aber auch bei allen anderen war ganz viel Luft nach oben.

Kurz nach der Pause gab es jedoch erstmal wieder einen großen Schreckmoment. Kimmich patzte nach einem langen Ball und legte Enciso die Gelegenheit zum 2:0 vor, Neuer war aber bereits nah genug am paraguayischen Außenstürmer, um abwehren zu können (50.). Doch dann kam der erlösende Moment, ein Tor aus dem Nichts, das Deutschland wieder zurück ins WM-Turnier holte.

Havertz erlöst Deutschland aus dem Nichts

Florian Wirtz brachte den Ball wie zuvor so oft aus dem Halbfeld in die Mitte, doch diesmal hatte die Hereingabe das nötige Timing und auch Havertz bewegte sich goldrichtig, der Stürmer ließ das Spielgerät über den Kopf ins lange Eck rutschen – 1:1. Tatsächlich hatte der zum zweiten Durchgang eingewechselte Leon Goretzka kurz danach sogar die Gelegenheit zur Führung, sein Schuss wurde im letzten Moment aber noch abgeblockt (56.).

Nach 63 Minuten war der Arbeitstag von Undav nach zwei weiteren Ballkontakten beendet. Sein erster Startelfeinsatz sollte auch sein letzter bei dieser WM sein. Bevor das bittere Gewissheit wurde, kam die DFB-Elf der Führung aber zunächst näher. Wieder wurde es nach einer Flanke von Wirtz gefährlich, wieder setzte sich Havertz in der Luft durch, doch diesmal war sein Kopfball zu unplatziert, Orlando Gill konnte parieren (78.).

Noch etwas gefährlicher wurde es nach einer Wirtz-Ecke, als Goretzka am ersten Pfosten zum Kopfball kam, der Ball ging aber nicht bis zum Tor durch (86.). Und das war tatsächlich schon die letzte Offensivaktion in der regulären Spielzeit.

Jayed trifft unglaubliche Entscheidung nach Tahs Tor

In der Verlängerung wurde es kurz hektisch, als Gomez einen Schuss von Nick Woltemade mit dem Arm abblockte – dass es keinen Handelfmeter gab, war aber völlig richtig (98.).

Ganz falsch war die Entscheidung von Schiedsrichter Jalal Jayed aber in der 103. Minute. Tah erzielte nach einem Eckball per Kopf das 2:1, doch nach Ansicht der Videobilder wollte Jayed ein Foul von Waldemar Anton an Gill gesehen haben – dabei hatte sich der BVB-Verteidiger nur in den Weg gestellt und war nicht aktiv. Nagelsmann bezeichnete die Entscheidung als “Witz”.

Elfmeter-Drama wieder mit Tah-Beteiligung

Beinahe hätte ausgerechnet Anton kurz vor Schluss noch für die Entscheidung gesorgt, sein Kopfball aus fünf Metern landete aber genau in den Armen von Gill (119.). Es ging ins Elfmeterschießen und dort denkbar schlecht los. Havertz verschoss, wieder war Gill richtig stark zur Stelle, danach traf Mauricio für Paraguay. Kimmich glich zwischenzeitlich aus, auch Gomez war aber sicher.

Danach trafen Jamal Musiala und Matias Galarza, doch dann verschoss auch Woltemade – Deutschland war nur noch einen Gegentreffer vor dem Aus. Für den sorgte Antonio Sanabria aber nicht, der am Tor vorbeizielte. Nadiem Amiri traf und Deutschland brauchte den Neuer-Moment. Der kam, der 40-Jährige hielt den Versuch von Fabian Balbuena und es ging im Elfmeterschießen in die Verlängerung.

Doch da versagten Tah die Nerven, sein Schuss flog ganz weit drüber auf die Tribüne im Boston Stadium. Den dritten Matchball ließ Paraguay nicht liegen, José Canale entschied die Partie. So ist das Turnier für das DFB-Team beendet, während es für Paraguay weitergeht. Am Samstag um 23 Uhr (MESZ) treffen die Südamerikaner auf Frankreich oder Schweden.

Der Turnierbaum der WM 2026.

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