Champions League: Sturm tritt mit Mut im Hexenkessel an

Der Sieger dieses Duells nach dem Rückspiel am nächsten Dienstag steigt in das Play-off um den CL-Einzug auf. Ingolitsch betonte, dass nach den zwei Siegen gegen Heart of Midlothian in der vorigen Runde das wichtigste Ziel bereits erreicht sei. „Wir haben die Europa League eingetütet. Deswegen haben wir die nötige Portion an Mut und an Selbstvertrauen“, sagte der Sturm-Coach vor dem Duell zweier nationaler Vizemeister.
Die Grazer sind mit drei Siegen in der CL-Quali bzw. im ÖFB-Cup ausgezeichnet in die Saison gestartet, zum Bundesliga-Auftakt am Samstag gab es allerdings mit einem 1:1 bei der WSG Tirol einen ersten Dämpfer. Besagte Wattener sind es übrigens auch, gegen die die Steirer ihre letzte Pflichtspielniederlage bezogen – ein 1:2 am 14. Februar. Seit 17 Bewerbsspielen sind die „Blackies“ ungeschlagen – eine Serie, die in Istanbul zu Ende gehen könnte.
Champions League
Qualifikation
Champions-League-Qualifikation, dritte Runde
Mittwoch, 20.00 Uhr, live in ORF1:
Fenerbahce – Sturm
Istanbul, Sükrü Saracoglu Stadion; SR Kavanagh (ENG)
Mögliche Aufstellungen:
Fenerbahce: Günok – Semedo, Skriniar, Ake, Oosterwolde – Guendouzi, Fred – Kahveci, Asensio, Aktürkoglu – Talisca
Sturm: Chudjakow – Heil, Vallci, Mitchell, Soglo – Weinhandl, Gorenc Stankovic – Jatta, Seidl, Hödl – Wlodarczyk
Fenerbahce sechsmal so viel Wert wie Sturm
Denn das Team des neuen Fenerbahce-Coachs Ismail Kartal hat geschätzt den sechsfachen Marktwert wie die Grazer. Allein in der aktuellen Transferperiode investierte der türkische Supercup-Sieger bisher rund 80 Millionen Euro in neue Spieler wie den Engländer Mason Greenwood von Olympique Marseille und den niederländischen Teamspieler Nathan Ake von Manchester City. Summen, von denen man in der steirischen Landeshauptstadt nur träumen kann.
„Sie wollen unbedingt in die Champions League einziehen. Wir sind der klare Außenseiter, wir nehmen die Rolle gerne an, mit der können wir auch gut leben“, sagte Ingolitsch, dessen Truppe auf Spieler wie Marco Asensio (einst Real Madrid, PSG), Milan Skriniar (Inter, PSG) und Matteo Guendouzi (Arsenal, Marseille, Lazio) trifft.
Fenerbahce hat gegen einen rot-weiß-roten Club noch nie verloren (fünf Siege, drei Remis) und entschied auch das bisher einzige Duell mit den Steirern in der Europa-League-Quali 2017/18 mit 2:1 und 1:1 für sich. Die Istanbuler weisen auch Österreich-Bezug auf: So ist Rechtsverteidiger Mert Müldür gebürtiger Wiener und begann seine Karriere bei Rapid. Offensivmann Dorgeles Nene wurde im Vorjahr von Red Bull Salzburg geholt – für kolportierte 18 bis 20 Millionen Euro.
„Mentale Herausforderung“ im Stadion
Im Sükrü-Saracoglu-Stadion wartet auf die Grazer jedenfalls ein heißer Tanz. „Es wird auch eine mentale Herausforderung, in einem der lautesten Stadien Europas zu spielen vor fanatischen türkischen Fans“, meinte Ingolitsch. Für Mittelfeldmann Jacob Hödl ist es wiederum „am coolsten, vor so einer Kulisse zu spielen“.
IMAGO/Anadolu Agency
Der Fans von Fenerbahce Istanbul sind bekannt für die frenetische Unterstützung ihrer Mannschaft
Vorbild soll der 2:0-Auswärtssieg bei den Hearts sein. „Es ist gut, dass wir dieses gemeinsame Erlebnis in Schottland hatten. Wir hoffen, dass wir daran anschließen können in einem noch größeren Hexenkessel vor einer noch größeren Kulisse. Es ist die nächste Feuertaufe, wo wir sehen werden, wie weit unsere junge Mannschaft schon ist“, sagte Ingolitsch.
Debatte
Welche ÖFB-Clubs schaffen es in die Europacup-Ligaphasen?
Verpassen werden diese Otar Kiteischwili (Wade), Filip Rozga (Muskelverletzung) und Leon Grgic (rekonvaleszent), das Trio saß nicht im Flugzeug nach Istanbul. Kiteischwili, bei dem man nichts überstürzen wolle, sei „kaum bis gar nicht zu kompensieren“, das müsse das ganze Kollektiv gemeinsam auffangen, verlangte Ingolitsch. Das ist bisher ganz gut gelungen. Mut macht auch, dass sich Fenerbahce in seinen zwei Saisonpflichtspielen in der CL-Quali gegen Gornik Zabrze (1:0 und 1:1) noch nicht als Topteam präsentiert hat.
Wettskandal bremst Kapitän aus
Nicht mit von der Partie wird Fenerbahce-Kapitän Mert Hakan Yandas sein. Der Mittelfeldspieler ist wegen seiner Beteiligung am türkischen Wettskandal, der Ende 2025 für Schlagzeilen gesorgt hatte, gesperrt. Yandas saß in Untersuchungshaft und wurde vom Disziplinarausschuss des türkischen Verbands für ein Jahr für jegliche fußballerische Aktivitäten suspendiert.
Diese Sperre wurde vor wenigen Tagen überraschend vom Berufungsgericht auf sechs Monate verkürzt und gilt nun bis Ende Oktober. Trotz seiner prominenten Rolle im Skandal gab Fenerbahce Yandas im Juli einen neuen Einjahresvertrag auf Mindestlohnbasis. Gespielt hat der 31-Jährige – wegen Verletzungen und der Sperre – allerdings zuletzt vor 16 Monaten.



