Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle: Sprengstoff und Zünder entdeckt

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde ein verdächtiger Gegenstand gefunden. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung handelt es sich um eine mit den Sprengstoffen PETN und Semtex präparierte Drohne.
Von Jörg Diehl, NDR/WDR, Florian Flade und Roman Lehberger, WDR
Nach dem Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle in der vergangenen Nacht werden neue Details des Polizeieinsatzes bekannt. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung entdeckten Mitarbeiter des Flughafens eine wohl mit Sprengstoff präparierte Drohne, die sich in unmittelbarer Nähe von vier Transportflugzeugen der ukrainischen Staatsairline “Antonov Airlines” befunden haben soll.
Wie aus vertraulichen Behördenunterlagen hervorgeht, war an der Drohne ein Paket mit einer verdächtigen Substanz angebracht worden. Darin befand sich demnach auch “ein Zünder”, heißt es in einem Vermerk. In den Papieren werden auch die Ergebnisse mehrerer kriminaltechnischer Tests dargestellt.
PETN und Semtex enthalten
Eine erste Untersuchung durch Entschärfungs-Spezialisten verlief laut Unterlagen positiv auf Nitrate, eine sprengfähige Substanz. Ein zweiter und ein dritter Test blieben zunächst negativ. Der vierte Test wiederum, durchgeführt von Experten der Landespolizei Sachsen, ergab den Unterlagen zufolge, dass das Paket die hochexplosiven Sprengstoffe PETN und Semtex enthält. Diese Substanzen werden zum Beispiel auch im Militärbereich verwendet.
Laut der Ermittlungen entging der Flughafen damit wohl nur knapp einer Katastrophe. Der Zünder im angehängten Paket sei offenbar abgerissen und verhinderte dadurch wohl eine Explosion, heißt es in den Unterlagen.
Flugzeug mit Objekt kollidiert
Wie aus den Polizeiberichten hervorgeht, kam es im Rahmen des Fundes zu einem weiteren Vorfall. Demnach kollidierte eine Frachtmaschine, die aufgrund der Sperrung nicht landen konnte, in der Nähe des Flughafens in einigen Hundert Metern Höhe mit einem weiteren Objekt. Nach der Landung auf einem Ausweichflughafen in Hannover dokumentierten Bundespolizisten leichte Beschädigungen an der Front der Maschine.
Die Polizei Niedersachsen stuft den Fall laut Vermerk als mögliches Staatsschutzdelikt ein. Später bestätigte das Bundesinnenministerium den Vorfall. Auch ein DHL-Sprecher teilte mit, dass ein Flugzeug mit einem “Gegenstand” kollidiert sei.
Der Flughafen Leipzig gilt als Drehscheibe für Rüstungsgüter auch im Ukraine-Krieg. Erst vor zwei Jahren entging er nur knapp einer Katastrophe: Damals fing ein Paket in einem DHL-Logistikzentrum, das auf dem Weg nach Großbritannien war, noch am Boden Feuer. Wie die Ermittlungen ergaben, handelte es sich dabei um eine Operation russischer Geheimdienste. In Litauen müssen sich zurzeit fünf mutmaßliche Mitglieder des mutmaßlichen Sabotage-Netzwerks vor Gericht verantworten.
Verstärkt Drohnensichtungen seit Ukraine-Krieg
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine kommt es auch in Deutschland verstärkt zu Drohnensichtungen sowie zu Ausspähungen kritischer Infrastruktur und Militäreinrichtungen. Allein im ersten Halbjahr registrierte die Deutsche Flugsicherung (DFS) rund um deutsche Flughäfen 145 Behinderungen des Betriebs aufgrund unerlaubter Drohnenflüge. In den meisten Fällen gelingt es den Behörden nicht, die Piloten der Drohnen festzustellen.
Im Juli war in Bayern ein 37-jähriger Moldauer festgenommen worden, der im Verdacht steht, mit einer Drohne ein Rüstungsunternehmen ausgespäht zu haben. Der Mann war nach Hinweisen aus der Bevölkerung festgenommen worden, als er sich in der Nähe des Firmengeländes aufhielt. Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt, aus Sicherheitskreisen heißt es, der Verdächtige könnte womöglich im Auftrag russischer Geheimdienste gehandelt haben.


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