“Null Vertrauen”: Pizzabäcker verliert bei Sparkassenraub zum 2. Mal Vermögen

Der Gelsenkirchener Pizzabäcker Mustafa ist zum zweiten Mal Opfer eines Einbruchs geworden. Dieses Mal lagerte sein Vermögen allerdings bei der Sparkasse in Buer. Sein Glück im Unglück: Auch dafür hat er vorgesorgt.
Er ging auf Nummer sicher und steht jetzt trotzdem erst einmal mit leeren Händen da. Mustafa, Betreiber des Pizza Pic in der Gelsenkirchener Innenstadt, und seine Ehefrau haben beim Bankraub ihre Altersrücklagen verloren. In dem aufgebrochenen Schließfach der Sparkasse habe seine Frau den über die Jahre angesammelten Goldschmuck aufbewahrt. Der ist nun weg.
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Doch anders als viele Bueraner kann der 55-Jährige zumindest etwas aufatmen. „Gott sei Dank habe ich eine Hausratversicherung, Beweisfotos und Kaufbelege“, sagt Mustafa im Gespräch mit FOCUS online: „Das waren locker mehr als 50.000 Euro.“
Bereits 2002 Opfer eines Einbruchs
Damit dürfte ihm der entstandene Schaden weitgehend ersetzt werden, so die Hoffnung. Der Termin mit seinem Versicherungsberater steht erst am Freitag an. „Er hat gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen“, sagt Mustafa. Dementsprechend schwingt noch die Unsicherheit mit: „Das dauert bestimmt lange.“
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Für den Selbstständigen bleibt dennoch eine besonders bittere Note. Denn für das Schließfach haben er und seine Frau sich entschieden, nachdem im Jahr 2002 bei ihnen eingebrochen worden war. Als sie zu einer Verabredung gingen, habe seine Frau die Balkontür gekippt gelassen und nicht komplett verschlossen. „Alle Schmuckstücke und das Bargeld waren weg“, erinnert sich Mustafa.
Daraus zog die Familie ihre Lehren. 2008 habe sein Vater das Haus in Afghanistan verkauft und dem Sohn das Geld überlassen. Der kaufte ein Jahr später ein Grundstück in Gelsenkirchen, baute hier ein Haus. „Alarmanlage und alles ist da“, sagt Mustafa, der seit 33 Jahren in Buer lebt und seit 22 Jahren selbstständig ist.
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Trügerische Sicherheit
Die Vermögenswerte habe er wegen des früheren Einbruchs trotzdem nicht mehr zu Hause aufbewahren wollen und seine Frau darum gebeten, sie in eben jenem Schließfach in Buer zu sichern. „20 Jahre später ist wieder der ganze Goldschmuck weg.“
Insbesondere für seine Frau, die jahrelang viel gespart und auch Erbstücke in dem Schließfach aufbewahrt habe, sei der Schock nun groß. „Sie hat 48 Stunden nur geweint. Die Erinnerungen von vor 20 Jahren kamen wieder hoch. Sie hat gefragt: ‚In welchem Land leben wir eigentlich?‘ Sie findet keine Ruhe“, gibt der 55-Jährige Einblicke in den Gemütszustand.
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Buer sei nun weltweit bekannt, der FC Schalke 04 aktuell nicht mehr das Aushängeschild, witzeln die Gelsenkirchener. Verwandte im Ausland lachten über Deutschland, erzählt Mustafa. „Das ist unglaublich. Wir sind sprachlos“, sagt er: „Das ist wirklich traurig.“
“Null Vertrauen in Sparkasse”
Auch für den Selbstständigen war die Nachricht zunächst schwer auszuhalten. Nach den Weihnachtsfeiertagen sei er gerade im Großhandel einkaufen gewesen, habe Lebensmittel für die Pizzeria gekauft. Da habe ihn sein Sohn angerufen und von dem Einbruch berichtet. „Ich war schockiert und bin sofort losgefahren“, erzählt Mustafa. Gesehen habe er dann nur das Chaos: Polizei, Medien und panischen Menschen. Wie er und seine Ehefrau hätten viele Bueraner – Anwälte, Ärzte, Selbstständige – in der Sparkasse ihre ersparten Wertsachen aufbewahrt.
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Diese Entscheidung bereuen sie nun alle. „Ich habe null Vertrauen in die Sparkasse und bin der Erste, der kündigt, wenn sie wieder öffnet. Niemand hat Vertrauen“, sagt Mustafa. Er und seine Frau hätten die Besitztümer zum Glück dokumentiert, den Schmuck im Schließfach aufbewahrt und die Belege zu Hause. Damit dürfte zumindest der materielle Schaden begrenzt sein. „Es tut mir leid für die anderen“, bedauert er die Kunden, denen größere Verluste entstanden sind.
Für Mustafa reiht sich der Einbruch ein in eine Entwicklung, die er bereits seit mehreren Jahren in Gelsenkirchen beobachtet. „Es sind viele komische Leute und viel Kriminalität“, so sein Eindruck. Als er vor 33 Jahren nach Buer gekommen sei, habe der Stadtteil auf ihn noch deutlich einladender gewirkt: „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“




